Kaffe, Hefe, Horoskop

18. Mai 2020/Uncategorized

Im Gegensatz zu Frau H. bin ich nicht Kaffeesüchtig. Das beschämt mich ein wenig, während ich über meinem oft einzigen Kaffee des Tages sitze. Kaffee, Stolz der Beduinen! Kultgetränk der französischen Philosophen der Aufklärung! Ohne Kaffee keine Französische Revolution, keine Industrielle Revolution, keine Digitalisierung, keine Globalisierung, also auch keine Corona-Pan…..
Gut, ich bleibe bei meinem einen Kaffee. Während ich ihn trinke und in einer sehr schlechten Klatschzeitschrift blättere, fällt mir mein Horoskop ins Auge: „Konzentriert und mit einem ausgefeilten Konzept lassen sich Vorhaben aufschieben“. Was?
JACKPOT!!! Höhere Mächte befahlen: Prokrastiniere! Ich muß mich nicht mehr durch schwierige Texte über die Konstruktion des Ichs ackern, ich kann die Vorbereitungen zu den nächsten 3 Projekten einfach aufschieben, und wer weiß, vielleicht sind sie, wenn ich mit der Prokrastination durch bin, ja bereits abgesagt, wie die drei davor?
Man kann ja auch von Aufwandsentschädigungen und Abstandszahlungen bei Vertragsauflösungen leben! Denn was kostet schon so eine Prokrastination.
So viel Zeit, jetzt, wo ich die Dinge konzentriert aufgeschoben habe! Ich könnte endlich wieder-… in die Sauna! Ja! richtig durchwärmen lassen, wo der Mai so kühl ist. Auf dem Holz ausstrecken und fühlen, wie die Muskeln ins Handtuch schmelzen…. ach so nee, Mist. Ist verboten, ist ja Pandemie. Aerosole lieben enge Saunakabinen.

Oh COME ON, denke ich auf englisch, Folge coronabedingten Netflix- Konsums. COME ON, so eine 90-Grad-Sauna, die killt doch jedes Virus! Kurz überlege ich, ob ich mich mit Aluhut den besorgten Hygienedemonstranten am Rosa-Luxemburg- Platz anschließen soll.
Ich soll nicht. Es gibt Grenzen. Außerdem mag ich nur Sauna bis maximal 60 Grad, mir wird sonst zu warm.
Delle im Enthusiasmus.

Was also tun, wohin mit meiner neu gewonnenen Energie?… Ich hüpfe eine kleine ADHS- Runde auf meinem Sitzball. Was tun Menschen so?
Frau H. backt ja zum Beispiel. Ich habe da auch Ambitionen, aber ich habe Angst vor Hefeteig. Ich scheitere bereits im Rezept bei dem Satz „ In das Mehl eine Kuhle machen und Mehl, Milch und Hefe miteinander vermengen und gehen lassen“ oder ähnlich.
Freunde, also ne Kuhle ins Mehl oder das Mehl gehen lassen oder was jetzt.

Ich bin ja im Gegensatz zu Frau H. leider nicht so ein YouTube- Mensch, aber seit sie in ihrem letzten Beitrag so anschaulich dargestellt hat, daß man dem Teig einfach eine behutsame Coming- of -Age- Phase gestatten muß anstatt ihn quasi per Kaiserschnitt direkt in den Backofen zu befördern, fühle ich mich doch angespornt.

Verflixt, ja! Re- Enter Enthusiasmus. Ich rieche schon den Hefezopf, ich sehe schon Affenbrot süß und Affenbrot herzhaft um meinen Appetit buhlen, ich spüre, wie die Butter auf dem warmen Rosinenschokobrötchen schmilzt! Ich rolle vom Sitzball und im Vorbeigehen streift mein Blickt noch einmal flüchtig das Horoskop.
„Konzentriert und mit einem ausgefeilten Konzeptlassen sich Vorhaben anschieben.“
ANschieben.
Verdankt.

( Das Foto steht Kopf, ich weiß. Als ich vorhin versuchte, das zu korrigieren, hat das Internet meinen Text gefressen und ich mußte ihn neu schreiben, anstatt Vorhaben anzuschieben.
Ich riskiere das nicht noch mal, zumal ich für diverse copy- paste- Tätigkeiten , die nicht wollten, weil falsch abgespeichertes Dokument, listig zuvor im Office- Programm geschrieben, um weiteres gefressenwerden zu verhindern, also dafür soviel Zeit gebraucht habe, daß ich heute wohl nichts mehr anschieben werde außer meinen müden Körper Richtung Bett.)

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